
Passing by, 1998
LCD-Projektor, Mac mini Computer mit Director-Abspielskript
Projektion: 1,20 m × 1,60 m
Dauer: skriptgesteuert
Im Bild bewegt sich die Figur eines jungen Mannes, schaut uns an, scheint uns etwas mitteilen zu wollen, blinzelt uns zu, macht uns neugierig. Wir stehen im Raum und beobachten plötzlich, dass wir beim Durchschreiten des Projektionsstrahls Teil dieser Szene werden. Die unerwartete Begegnung zwischen der projizierten Männerfigur und dem eigenen Schatten wir zum Erlebnis. Für einen Augenblick überlagert der eigene Schatten die Umrissfigur an der Wand – wir werden zum Mit-Protagonisten. Unserer physische Präsenz im Raum interagiert mit der animierten Figur auf der Wand. In Passing by spricht Gasser auch das Bewusstsein um die eigenen Erscheinung an, beispielsweise unser Verhalten, wenn wir uns beim Flanieren in einem Schaufenster spiegeln.
Letizia Schubiger, Kunst BL, Die Kunstsammlung des Kantons Basel-Landschaft und Kunst am Bau 1990-2003, kulturelles.bl/Museum.BL, Liestal, 2004

„Passing by“ Installationsansicht Kunsthalle Palazzo 1998
Im ersten Raum der Ausstellung, der eher ein Durchgang ist, muss man einen Projektionsstrahl passieren und wirft so mit seinem Körper einen Schatten auf die Wand. Plötzlich löst sich aus diesem Schatten die mit wenigen Strichen gezeichnete Figur eines jungen Mannes, der durch die Projektionsfläche schreitet und uns vertraulich zuzwinkert. Wir bleiben stehen und blicken auf die nun wieder leere Fläche. In unregelmässigen Abständen taucht die Figur auf, mal schreitet sie nur vorbei, mal tänzelt sie ein wenig, inszeniert einen kleinen Striptease oder formt die Lippen zum Kuss.
Kurz: Der Mann benimmt sich wie jemand, der an einem Schaufenster vorbeigeht oder sich unbeobachtet vor einem Spiegel glaubt – die Projektionsfläche ist dabei quasi der Spiegel, auf den wir von der anderen Seite her blicken und uns zu Zeugen kleiner narzisstischer Aktionen machen. Dadurch aber, dass die einzelnen Animationssequenzen – sie sind zusammengesetzt aus rund 900 Strichzeichnungen – in unregelmässigen Abständen und in unvorhersehbarer Reihenfolge abgespielt werden, entsteht der Verdacht, dass es unsere Präsenz im Raum sein könnte, die Abfolge und Art der Sequenzen bestimmt etwa via eine Fotolinse.
Der Schattenriss, den unser Körper auf die Wand wirft, tut sein Übriges: Die Projektionsfläche wird zur Reflexionsfläche, in der sich nun unsere eigenen narzisstischen Aktionen spiegeln. Sowohl der Schattenriss als auch das Gefühl, Auslöser der Sequenzen zu sein, verwandeln uns aber auch von Beobachtern in Beobachtete.
Text von Samuel Herzog, „Beat Brogle & Philipp Gasser – beobachtend beobachtet“, im Jahreskatoalog Kunsthalle Palazo 1998 von Esther Maria Jungo
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