In der Computerarbeit "Rentrer" zeigt Philipp Gasser die Porträts seiner Eltern. Der Künstler, der sich oft mit dem Thema Heimat auseinandersetzt, hat sich für diese Arbeit eingehend mit seinem Vater und seiner Mutter unterhalten. "Rentrer", nochmals heimgehen, seine Eltern zeichnerisch erfassen, das erweckte in ihm auch ein Heimatgefühl.
Die am Computer andeutungsweise gezeichneten Köpfe werden mit einem Animationsprogramm nachgezeichnet, das die einzelnen Striche einer Zeichnung weiter bearbeitet, verdichtet, mehrmals überlagert (hier bis fünfundzwanzig Mal) und immer wider neue Bildmotive generiert. manchmal bauen sich in der Abfolge die Bilder zu dichten Knäulen von schwarzen Strichen auf, so dass die Gesichter eine abstrakte Erscheinungsform erhalten. Bei dieser Arbeit hat Philipp Gasser die Herausforderung interessiert, bloss mit Linien eine Dreidimensionalität zu erzeugen; zeichnerische Hilfsmittel wie Schattierungen oder Schraffierung um Volumen zu geben, stehen nicht zur Verfügung. Das computergenerierte zeichnen kann der Künstler kontrollieren. Die Spur der menschlichen Hand ist in der Computeranimation nicht mehr sichtbar, die Zeichnung wird zur Ansammlung von Zeichen. Animationsbild und Zeichnung vermischen sich und lassen hybride Darstellungen entstehen: Abbild, Porträt oder etwas dazwischen? Im interaktiven Wechselspiel bewegt sich Gasser an der Grenze zwischen Wirklichkeit und virtueller Erscheinung - spreng dabei die Gattung der Zeichnung.
Letizia Schubiger
Kunst BL, Die Kunstsammlung des Kantons Basel-Landschaft und Kunst am Bau, 1990-2003, kulturelles.bl/Museum.BL, Liestal, 2004